Focus on Forex KW 30

Wien. (onDimand /26.07.2022/13:27) Die Woche begann Montag mit dem deutschen  IFO Geschäftsklimaindex, der mehr Klarheit in den wirtschaftlichen Ausblick der Eurozone geben soll. Der Index fiel im Juni auf 88,6 gegenüber den erwarteten 90,5. Dies bedeutet, dass die Unternehmen in den kommenden Monaten mit einer deutlichen Verschlechterung des Geschäfts rechnen müssen. Schon hört man Sätze wie „Deutschland am Rande der Rezession“.

Die EZB hat bei ihrer  Sitzung letzter Woche den Leitzinssatz überraschend um 50 BP und nicht, wie von Ökonomen erwartet, um 25 BP erhöht. Die erste Zinserhöhung seit 11 Jahren.

Dies bedeutet, dass der Refinanzierungszins  der Banken bei der Zentralbank von vorher null auf 0,5 % gestiegen ist. Wenn also die Banken sich längerfristig Geld von der EZB ausleihen wollen, müssen sie derzeit 0,5 % bezahlen, womit auch die Kreditzinsen der Banken an Privatpersonen und Unternehmen steigen. Die Kredite werden teurer, die Nachfrage sinkt, die Preise sinken und die Inflation wird gebremst. Auch der Spitzenrefinanzierungssatz ist von 0,25 % auf 0,75 % gestiegen. D.h., dass Banken jetzt für kurzfristige Geldausleihungen von der EZB z.B. über Nacht 0,75 % zahlen müssen.

Mit der Höhe dieses Satzes wird die Liquidität der Banken gesteuert, je höher desto weniger fragen die Banken nach. Und zu guter Letzt wurde die sogenannte „Einlagenfazilität“ auch von -0,5 % auf null erhöht. Damit müssen Banken nicht mehr eine Strafe zahlen, wenn sie überschüssiges Geld über Nacht bei der EZB parken. Im Grunde wirkt sich eine Leitzinssatzerhöhung auf drei wichtige Zinssätze aus, mit denen die Liquidität der Banken und in weiterer Folge die Liquidität in Form von Kreditvergabe an Unternehmen und an private Haushalte gesteuert wird.

Das TOP-Event der Woche bildet am Mittwoch die Zinsentscheidung der FED, der Markt erwartet sogar eine Erhöhung um 75 BP, um die Inflation zu drücken. US-Finanzministerin Janet Yellen warnte am Wochenende vor einer Verlangsamung der US-Wirtschaft, sagte aber, dass eine Rezession nicht unvermeidlich sei.

Den Wochenschluss bilden dann die BIP Veröffentlichungen und Inflationszahlen der Eurozone am Freitag sowie die Kernrate der privaten Konsumausgaben in den USA.
 
Auch die Schweizer Nationalbank hat am 16. Juni  an der Zinsschraube gedreht und den Leitzinssatz von -0,75 % auf -0,25 % erhöht. Damit hat sie das Währungspaar EURCHF endgültig unter die Parität gedrückt (sowie 2015 als diese die Preisuntergrenze von 1,20 EURCHF fallen ließ). Die SNB reagierte früher als die EZB und restriktiver als erwartet. Eine kleine Erholung wird bei Kursen von 0,9910 EURCHF bis derzeit 0,9850 EURCHF erwartet. Ersten größeren Widerstand nach oben bildet ein Kurs von 0,9950 EURCHF, während im H4 Stundenchart die 200 Linie die Parität bzw. einen Kurs von 1,0020 EURCHF markiert. Nach unten gibt es Potential bis zu 0,9650 EURCHF.

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