Grundlagen / Ups and downs

Kursschwankungen

Wer „Ja“ zu Aktien sagt, ist kurzfristigen Schwankungen ausgeliefert.

Wojciech Antosz, Geschäftsführung

Warum treten solche Schwankungen auf?

Wie viel kann man maximal verlieren – wie tief können Aktien gegenüber vorher erreichten Höchstkursen fallen? 

Ab welcher Anlagedauer kann man davon ausgehen, dass der Vorteil des langfristigen Aufwärtstrends den Nachteil kurzfristigen Schwankens überwiegt? 

Die Antwort gilt natürlich einem breit gestreuten Aktienportfolio.

Kursschwankungen

Die Hauptursache für Kursschwankungen ist das Wechselspiel zwischen Angebot und Nachfrage des Anlagekapitals. Anlagekapital sucht weltweit nach Anlagemöglichkeiten wobei das Anlagekapital hauptsächlich in drei Anlageformen fließt: 

  • Anleihen
  • Aktien
  • Immobilien

Typisch ist, dass mehr Kapital in Aktien bei optimistischen wirtschaftlichen Erwartungen fließt, das Ergebnis hierbei sind steigende Aktienkurse. Umgekehrt, wenn Vorsicht und Unsicherheit vorherrschen, fließt Kapital meist aus Aktien ab und wird in Anleihen investiert. Immobilien nehmen bei diesen Betrachtungen eine Mittelstellung ein.

Bei einem Staudamm wird die Wasserhöhe am Pegelstand gemessen und Änderungen zeigen an, ob Wasser zu- oder abfließt. An Aktienmärkten ähnlich, hier messen Indizes Kapitalumschichtungen für Länder und Branchen oder mit einem Weltaktienindex für alle Aktien. 

Schwankungen in der Vergangenheit

Wissenschaftlicher Wohlstand unterlag historisch immer einem Auf und Ab. Geringe Änderungen oder außergewöhnliche, verursacht durch Kriege, Seuchen und Missernten. Oft hielten Unschuldige als Sündenbock für das „Unerklärliche“ her, wie beispielsweise „Hexen“ im 15 Jahrhundert.

Ein früher wissenschaftlicher Ansatz zur Erklärung von regelmäßigen Wirtschaftsschwankungen stammte vom britischen Ökonom W.S. Jevons. Er machte Mitte des 19. Jahrhunderts, die im 11-jährigen Rhythmus auftretenden Sonnenflecken für regelmäßige Missernten verantwortlich. Jevons hatte Glück, dass er nicht früher lebte. Galileo Galilei brachte seine Begründung der Sonnenflecken, zusammen mit der Behauptung die Erde drehe sich um die Sonne, einen Inquisitionsprozess ein. Auch Karl Marx widmete sich der Beobachtung des wechselnden Auf- und Abs in der Wirtschaft. Er behauptete, dass steigende Unternehmensgewinne Investitionen fördern. 

„Kapitalisten“ hoffen, künftige Gewinne weiter zu steigern. Jedoch entsteht in Wirklichkeit ein Überangebot, dem die Nachfrage fehlt. Der vermehrte Wettbewerb der Unternehmen führt dann zu Preisverfall, Bankrott einzelner Unternehmen, Massenentlassungen und in der Folge zu Verelendung der Arbeiter.

“Schweinezyklus”

Anhand des sogenannten Schweinezyklus kann man das Verständnis von Angebot und Nachfrage vermitteln.

In den 1920-er Jahren fanden zwei US-Ökonomen bei ihren Untersuchungen über den Schweinemarkt, den „Schweinezyklus“. 

Bei hohen Preisen für Schweinefleisch beginnen Bauern verstärkt Schweine zu züchten, bis diese schlachtfähig werden, klettern die Preise weiter. Plötzlich werden zu viele Schweine angeboten, der Preis verfällt. Daher beenden viele Bauern die Schweinezucht. Das Angebot fällt, bis es niedriger wird als die Nachfrage, die Preise springen hoch und der Kreislauf beginnt von vorne. 

Das Ganze passiert regelmäßig, einen Lerneffekt gibt es dabei kaum. Marx und die Entdecker des „Schweinezyklus“ waren am richtigen Weg, teilweise. Aber nicht die „Kapitalisten“ sind die „Alleinschuldigen“, sondern wir alle, die mal weniger, mal mehr ausgabefreudig sind. Je nachdem wie rosig wir die Zukunft sehen und ob wir um den Arbeitsplatz zittern und bei den Ausgaben knausern und Anschaffungen hinausschieben.

Was früher als Auf und Ab der Wirtschaft galt, wurde ab dem 20. Jahrhundert als „Konjunkturzyklus“ bezeichnet. Der Streit, ob Zyklen bei Wirtschaft und Börse unberechenbar sind oder regelmäßig auftreten ist geblieben.

1/3 schnell verloren

Eines ist klar, langfristig stiegen Aktien mit ca. 9%. Aber sie schwanken dabei in Wellenform um diesen langfristigen Trend.

Kleine Kursrückschläge bis ca. – 15% treten häufig ohne Vorwarnung und manchmal auch ohne vernünftige Gründe innerhalb weniger Tage auf. Große Kursrückschläge über -15% treten selten auf und reichen bis ca. -30%. Diese Kursrückschläge sind meist Begleiterscheinung eines Konjunkturabschwungs.

Elfmal hat der S&P500 seit Ende des zweiten Weltkrieges mehr als -15% gegenüber einem vorherigen Höchststand verloren. Das bedeutet, in einem Jahrzehnt passiert es ca. zweimal, das deckt sich mit der typischen Anzahl von Konjunkturzyklen innerhalb eines Jahrzehnts, und das ist natürlich kein Zufall. Üblicherweise fallen dann aber die Kurse nicht mehr als 1/3, also meist maximal -33%.

1 Jahr, reine Spekulation

Was kann Ihnen passieren, wenn Sie Ihr Geld ein Jahr lang in Aktien anlegen? Sehen wir uns das aus historischer Sicht an, damit es greifbar wird. Wir verwenden den S&P 500 Index und legen das Geld jeweils zu Jahresbeginn in jedem der vergangenen fünfzig Jahre an, was wäre nach 12 Monaten daraus geworden im besten und im schlechtesten Fall?

// Im besten Fall + 52,6 %, ein Super Ergebnis, da hat man Lust einen Freudentanz aufzuführen. 

// Im schlechtesten Fall – 26,5%, tja das tut weh. Besonders, wenn man das Geld dann wirklich sofort braucht.

Lässt sich der Kursverfall vorhersehen? Im Normalfall nicht. Kursrückgänge bis zu -30% sind unabhängig davon immer drin und meist unvorhersehbar. 

Übrigens, für Liebhaber von Statistiken: Experten haben auch errechnet, wie wahrscheinlich es ist, innerhalb eines Jahres mit Aktien mehr zu verdienen als mit Anleihen: 60,7%. Das bedeutet, die Chancen, dass Sie mit Aktien auch schon nach einem Jahr mehr verdienen sind gut, nur kann es weh tun, falls man Pech hat und das falsche Jahr erwischt.

In was nun investieren?

Anlagehorizont kurzfristig, also ca. 1 bis 2 Jahre.

Hier gehen Sie ein hohes Risiko ein, denn Sie haben zwar Gewinnchancen von bis zu +50% aber auch Kursrückschläge bis zu -30% sind innerhalb eines Jahres möglich.

Also lassen Sie davon die Finger.

Nur spezielle Aktienprodukte für kurze Laufzeiten sind zu empfehlen.

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