Handelsstrategien entwickeln – Teil 2

Reversion-Systeme im Detail

Betrachten wir nun Mean-Reversion-Systeme nochmal etwas genauer. Die grundsätzliche Idee bei solchen Systemen ist, dass Kurse nach einer Phase der Über- oder Untertreibung wieder zum Gleichgewicht zurückkehren. Anders gesagt, verliert ein Kurs im Zuge eines Marktgeschehnisses (z.B. einer „Panik”)  an Wert, geht man davon aus, dass die Investoren irgendwann wieder zu einem rationalen Verhalten zurückfinden, die Übertreibung der Kursverluste erkennen und dann entsprechenden Wert wieder zu kaufen beginnen, da der Wert dann ja meistens besonders günstig zu bekommen ist.

Ein Beispiel dafür ist der dramatische Kursverfall im März 2020 im Zuge der Corona-Krise. Obwohl die Krise selbst noch lange nicht überwunden war/ist, haben die Kurse bereits ein halbes Jahr später wieder ihre alten Höchststände erreicht und sind sogar weiter nach oben geklettert. Die Kurse haben also nach einer relativ kurzen Phase der Übertreibung (nach unten) wieder zu ihrem „Mittel“ zurückgefunden.

Wie bereits beschrieben, sind die typischen Einstiegssignale für solche Modelle (z.B. bei Long-Tradingsystemen) „Kurs-Ausreißer“ nach unten. Was das genau bedeutet, ab wann man von einem Ausreißer sprechen kann, kann natürlich nur im Rahmen einer genaueren statistischen Analyse gezeigt werden, also unter Einbeziehung und Analyse historischer Zeitreihen. Denn entscheidend bei so einem System ist es, den Zeitpunkt der Umkehrung richtig vorherzusagen, da man ja davon ausgeht, dass der Kurs wieder zum Mittel zurückkehrt.

Die Erträge solcher Systeme leben im Wesentlichen von der Volatilität der Märkte, je höher, desto besser. Bei Trendfolgern hingegen hofft man nur auf eine möglichst steile und risiko- also schwankungslose Bewegung nach oben.

Vorteile

  • Höhere Ertragschancen und durch das gezielte Stock-Picking ist man in der Lage den Markt zu outperformen.
  • Relativ viele und kurze Trades (im Vergleich zu z.B. Trendfolge-Systemen) = geringe Einzeltitel- Exposure
  • Sind über einen langen Zeitraum stabil, das heißt sie funktionieren
  • Geringere Marktkorrelation als z.B. Trendfolge-Systeme. Durch die vielen „kleinen“ Trades, statt eines Einzelnen langen, erhält man letztlich auch eine geringere Korrelation zum Gesamtmarkt.

Nachteile

  • Man greift ins „fallende Messer“ während plözlicher Börsenkorrekturen
  • Höhere Volatilität (=Risiko)
  • Enge Stops sind statistisch betrachtet eher schlecht, da man ja den genauen Zeitpunkt der Umkehr nicht genau kennt. Man muss also davon ausgehen, dass sich die Kurse noch etwas nach unten bewegen. Ein Stop würde in diesem Fall den Trade aber beenden und damit die Umkehrung nicht mehr miterleben.
  • Einzeltrades können aus diesem Grund zu höheren Verlusten führen.
  • Psychologisch anspruchsvoll bei diskretionärem Trading, aber auch wenn man so ein System automatisiert handelt.

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