Trend zur Nachhaltigkeit…

…oder ESG Irrsinn?

Umwelterwägungen betreffen insbesondere die Anpassung an den Klimawandel und die Abschwächung seiner Folgen, aber auch allgemeine Umweltfaktoren und damit verbundene Risiken (wie Naturkatastrophen). Soziale Erwägungen können sich auf Fragen im Zusammenhang mit Ungleichheit, Arbeitsverhältnissen und Investitionen in Menschen und Gemeinschaften beziehen.

Der Grundstein für das Publizieren des Aktionsplans zur Finanzierung des nachhaltigen Wachstums im März 2018, waren das Pariser Abkommen 2016 und die Agenda 2030 der Vereinten Nationen für nachhaltige Entwicklung. Das charakteristische Element ist hier der Begriff „Sustainable Finance“ – also nachhaltiges Finanzwesen. Hier werden umweltbezogene und soziale Erwägungen (ESG-Faktoren) bei Investitionsentscheidungen und in der Anlageberatung, was zu mehr Investitionen in längerfristige und nachhaltige Aktivitäten führen soll, berücksichtigt. Der Ausdruck „ESG-Faktoren“ steht für Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren.

Umwelt- und soziale Erwägungen sind oft miteinander verflochten, da bestehende Ungleichheiten insbesondere mit dem Klimawandel zunehmen können. Die Governance öffentlicher und privater Institutionen, einschließlich der Managementstrukturen, der Mitarbeiterbeziehungen und der Vergütung von Führungskräften, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Einbeziehung sozialer und ökologischer Faktoren in den Entscheidungsprozess.

EU-Offenlegungsverordnung

Im Finanzdienstleistungssektor traten am 10. März 2020 europäische Regelungen zu nachhaltigkeitsbezogenen Offenlegungspflichten in Kraft. Dies war nicht nur ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigeren wirtschaftlichen Entwicklung, sondern auch ein wichtiger Schritt in Richtung einer nachhaltigen sozialen Entwicklung. 

Finanzmarktteilnehmer und Finanzberater müssen ihren Pflichten nachkommen. Zu ihren Aufgaben gehören die Veröffentlichung von Informationen über Strategien zur Einbeziehung von Nachhaltigkeitsrisiken in den Anlageentscheidungsprozess und die Offenlegung, ob und wie sie die negativen Auswirkungen von Anlageentscheidungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigen, die alle auf der Website zu finden sind. 

Es ist auch zu beachten, dass Finanzmarktteilnehmer mit mehr als 500 Mitarbeitern ab dem 30. Juni 2021 eine strategische Erklärung benötigen, um die Due Dilligence in Bezug auf die wichtigsten negativen Auswirkungen von Investitionsentscheidungen auf die Umfrage zu Nachhaltigkeitsfaktoren aufrechtzuerhalten.

Funktionsweise Art. 8 & Art. 9

Spätestens ab dem 30. Dezember 2022 umfassten die Offenlegungen für jedes Finanzprodukt klare und begründete Erläuterungen hierzu, ob und wie in einem Finanzprodukt die essenziellsten nachteiligen Folgen auf Nachhaltigkeitsfaktoren berücksichtigt werden und eine Erklärung, dass Daten über die essenziellsten nachteiligen Folgen auf Nachhaltigkeitsfaktoren im Zuge der offenzulegenden Daten erhältlich sind. 

Im Zuge der Offenlegungs-Verordnung werden Finanzprodukte in drei Kategorien unterteilt:

  1. Finanzprodukte, die ökologische oder sozialen Wesensmerkmale bewerben (Art. 8 – „hellgrüne” Produkte),
  2. Finanzprodukte, die eine nachhaltige Investition anstreben (Art. 9 – „dunkelgrüne” Produkte) und
  3. Sonstige Finanzprodukte

Der Unterschied zwischen Artikel 8 und Artikel 9 ergibt sich aus der Entwicklung und Vermarktung des Produktes.

  • Art. 9 Produkte (“dunkelgrüne” Produkte) besitzen ein angestrebtes Nachhaltigkeitsziel (bspw. Reduktion von CO2 Emissionen oder Schaffung von bezahlbarem Wohnraum),
  • Art. 8 Produkte (“hellgrüne” Produkte) berücksichtigen dabei lediglich ökologische oder soziale Merkmale in der Investitionsentscheidung. 

Für beide Finanzprodukte gelten andere Offenlegungspflichten in vorvertraglichen Dokumenten, im periodischen Reporting wie auch auf der Website, womit sich die Voraussetzungen zwischen beiden Produktarten unterscheiden.

Speziell hervorzuheben ist hierbei, dass die Auf- merksamkeit der Wesensmerkmale bzw. die Zielerreichung der Nachhaltigkeitswirkung tunlichst von Indikatoren quantifiziert und mit einem Index oder einer Benchmark abgeglichen werden sollen.

Finanzmarktteilnehmer haben für hellgrüne und dunkelgrüne Finanzprodukte folgende Informationen auf ihrer Internetseite zu veröffentlichen und auf dem aktuellen Stand zu halten:

  • Eine Beschreibung der ökologischen oder sozialen Merkmale oder des nachhaltigen Investitionsziels
  • Angaben zu den Methoden die angewandt werden, um die ökologischen oder sozialen Merkmale oder die Auswirkungen der für das Finanzprodukt ausgewählten nachhaltigen Investitionen zu bewerten, zu messen und zu überwachen, unter anderem Angaben zu den Datenquellen, zu den Kriterien für die Bewertung der zugrunde liegenden Vermögenswerte sowie zu den relevanten Nachhaltigkeitsindikatoren, die zur Messung der ökologischen oder sozialen Merkmale oder der Gesamtnachhaltigkeitsauswirkungen des Finanzprodukts herangezogen werden. 

Die offenzulegenden Informationen müssen deutlich, prägnant und für Anleger begreiflich sein. Sie sind in einer präzisen, redlichen, deutlichen, nicht irreführenden, einfachen und knappen Gestalt und an deutlich sichtbarer und mühelos zugänglicher Stelle der Internetseite zu veröffentlichen.

Unser Fazit…

Die Bemühungen der EU und ESMA sind hoch anzuerkennen und das war es schon! 

Die Regulatoren sind sich genau so unsicher wie sie die Thematik angehen, wie Marktteilnehmer und Händler, die sich danach richten sollten. Was definiere ich als Investment in eine grünere Zukunft? Edelmetalle oder gar Uranmienen, da diese einen niedrigen Co2 Ausstoß haben und für den Betrieb von Atomkraftwerken Uran benötigt wird?

Die ESG-Lüge? JEIN

Am besten veranschaulicht das ein oft zitiertes Beispiel: das Atomkraft. Während diese in unseren Breitengraden (Deutschland, Österreich) eher als gefährliche und nicht nachhaltige Energiequelle angesehen werden, denken Franzosen ganz anders über das Thema – sogar eine Frau Thunberg erwähnte, dass der Umstieg von fossilen Brennstoffen ohne die Atomkraft nicht machbar ist. 

Zweites Beispiel – Edelmetalle: In der neuesten Generation von Batterien und gleichgeschalteten Stromkreisen in E- Autos wird Großteiles auf sogenannte „Precious Metals“ wie Silber zurückgegriffen. Zwar wird bereits 25% des Silberbestandes regelmäßig recycelt jedoch ist die Gewinnung neuer Vorkommen höchst umweltschädlich – trotzdem für die E-Mobility unerlässlich. Genauso wie Lithium, aber das ist eine andere Geschichte.

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